Ackerbau. Biodiversität - Beyond the Surface. MicroNation EcoEden. Eine wirtschaftlich tragfähige, ethisch nötige Lösung einer Post-Kollaps-Gesellschaft.

Ackerbau und Biodiversität

Als vor etwa 10.000 Jahren die ersten Menschen mit dem Ackerbau und der Pflanzenzüchtung begannen, sich sesshaft zu machen, lag die Züchtung und die Produktion der Nahrung ausschließlich bei den Bauern und den privaten Selbstversorgern. Die Bauern beobachteten, selektierten, nahmen Saatgut, probierten aus und lernten kontinuierlich aus ihren Ernteergebnissen. Ganz natürlich und sorgfältig sammelten und säten sie die Pflanzen, die gut schmeckten, satt machten, vielfältig verwendbar oder gut lagerbar waren. Manche Getreidepflanzen erwiesen sich als tolerant gegenüber Nässe, andere überstanden eine Krankheit gut. Innerhalb der letzten 10.000 Jahre ließen abertausende züchtende Hände, verschiedene Ackerbautechniken, unterschiedliche Ernährungsgewohnheiten und Klimazonen einen unvorstellbaren Reichtum an lokalen Sorten mit unzähligen Variationen entstehen.

Verlust der Kulturpflanzenvielfalt

Innerhalb von wenigen Jahrzehnten setzte das globale industrielle Agrarsystem mit ihrer Vereinheitlichung der Landwirtschaft dieser Kulturpflanzenvielfalt ein Ende. Von den weltweit etwa 250.000 bekannten Pflanzenarten, von denen rund 50.000 Arten zur Ernährung benutzt wurden, decken heute nur noch 30 Arten 95 Prozent der Nahrungsenergie ab. Schätzungen zufolge sind weltweit in den vergangenen 100 Jahren rund 75 Prozent der Kulturpflanzenvielfalt verloren gegangen. In Deutschland und den USA sind es sogar 90 Prozent. Zwar werden weltweit noch etwa 7000 Pflanzenarten angebaut, doch immer mehr Saatgutkonzerne übernehmen die Züchtung von Saatgut und konzentrieren sich auf Sorten, die eine sehr enge genetische Basis haben und hohe Erträge abwerfen. Bei den drei großen Arten Weizen, Mais und Reis, die zusammen 60 Prozent der weltweiten Nahrungsmittelenergie liefern, liegt die Züchtung und Produktion schon zum größten Teil bei global agierenden Konzernen.

Ernährungssouveränität in Gefahr

In Deutschland arbeiten nur noch zwei Prozent der Menschen in der Landwirtschaft. Möglich geworden ist dies durch die Mechanisierung der bäuerlichen Arbeit, die große Erleichterungen mit sich gebracht hat. Doch wie die industrielle Landwirtschaft sich bis heute entwickelt hat, ist sie eher ein Alptraum als eine Arbeitserleichterung. Zusammengefasst kann man sagen, dass das grundlegende Prinzip des industriellen Agrarsystems die Ausbeutung des Menschen und eine übernutzte Umwelt ist. Die Böden werden durch den Gebrauch von Pestiziden vergiftet, die Pflanzenvielfalt durch Monokulturen dezimiert und das Saatgut durch die Züchtung von Hybriden (Inzuchtlinien, die kein Saatgut produzieren) und Genmanipulation monopolisiert. So bestimmen immer weniger Bauern und immer mehr große multinationale Konzerne darüber, welche Sorten gezüchtet, angebaut und geerntet werden.

Das industrielle Agrarsystem

Wie schaut es mit dem Hauptargument des industriellen Agrarsystems aus, nämlich das nur so die überbevölkerte Welt ernährt werden kann? Seit der Einführung der industriellen Landwirtschaft in den 70er Jahren ist zwar mehr Ertrag pro Fläche erwirtschaftet worden, doch auf Kosten der Umwelt und der Menschen. Auf lange Sicht kann die Landwirtschaft nur Erträge bringen, wenn sie Grund- und Oberflächenwasser sauber und die Böden fruchtbar hält. Wenn sie die Atmosphäre mit so wenig Klimagasen wie  möglich belastet und eine Vielfalt an Arten, Sorten und Ökosystemen nutzt und erhält. Die industrielle Landwirtschaft nutzt  zwar 70 Prozent der globalen landwirtschaftlichen Ressourcen, produziert aber nur 30 Prozent der weltweit verfügbaren Lebensmittel.

Das industrielle Agrarsystem hat sich im Laufe der Zeit immer mehr davon entfernt, zum Nutzen der Menschheit zu produzieren. Das liegt daran, dass immer weniger Menschen davon profitieren (Börsenspekulanten,  multinationale Agrarkonzerne und große Supermarktketten) und immer mehr Menschen von der Selbstbestimmung der Züchtung und des Anbaus ausgeschlossen werden. Supermarktketten vertreiben in Europa 80 Prozent aller Lebensmittel und beeinflussen mit ihrer Macht die gesamte Nahrungsmittelkette  von der Produktion über die Verarbeitung bis hin zur Verteilung.  Weltweit nimmt der Vertragsanbau immer weiter zu, bei dem die Verarbeitungsindustrie den Bauern von der Sortenauswahl bis zur Ernte nahezu jeden Arbeitsschritt vorschreibt und den Großteil der Gewinne einstreicht.

Wenn wir weiterhin auf die industrielle Agrarwirtschaft setzen, werden wir große Probleme mit der Wassernutzung bekommen. 70 Prozent des global verfügbaren Süßwassers wird in der Landwirtschaft genutzt. Ein großer Teil des mineralischen Düngers wird aus den Böden ausgewaschen und gelangt in Grundwasser und Flüsse. Durch die hohen Phosphat- und Stickstoffeinträge ins Meer gelten beispielsweise 70.000 Quadratkilometer der Ostseeböden als biologisch tot.

23 Prozent aller Agrarböden weltweit gelten heute als degradiert, das heißt sie leiden unter Erosion, Nährstoffverlust, Verdichtung und Versalzung. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Flächen für den Anbau von Agrarsprit und Futtermitteln, sodass weltweit Wälder und Wiesen in Monokulturen umgewandelt werden, die Soja und Palmöl anbauen. Insgesamt ist das industrielle Agrarsystem für über 40 Prozent der Klimagas-Emissionen weltweit verantwortlich.

Dazu kommt, dass die Nahrungsmittel durch die krankheitsanfällige Züchtung von Hybriden zunehmend ungesund und geschmacklos produziert werden und immer mehr Rückstände von Pflanzenschutzmitteln enthalten. Jährlich erleiden drei bis fünf Millionen Bauern und Landarbeiter Vergiftungen durch Pflanzenschutzmittel, davon enden jährlich rund 200.000 tödlich. Laut WHO sterben weltweit etwa 420.000 Menschen pro Jahr an Infektionen durch verseuchte Lebensmittel.

Derzeit werden zwar so viele Lebensmittel produziert, dass bis zu doppelt so viele Menschen ernährt werden könnten, wie heute auf der Erde leben, doch landet weniger als die Hälfte direkt auf den Tellern. Bis zu 50 Prozent der Lebensmittel werden weggeworfen, weil sie der Norm nicht entsprechen,  der Rest wird als Futtermittel oder für Treibstoffe verwendet.

Das heutige Agrarsystem treibt viele Menschen vom Land in die Stadt, weil sie arbeitslos werden oder von den Hungerlöhnen nicht mehr leben können. Viele Menschen aus südlicheren Ländern treibt es auch in den industrialisierten Norden, wo deren billige Arbeitskraft für das Funktionieren der hiesigen Landwirtschaft dringend gebraucht wird. Landflucht gibt es auch in Deutschland. Agrarsubventionen machen Produkte aus den Agrarfabriken so billig, dass kleinere bäuerliche Betriebe keine Chance haben. Nach Angaben des statistischen Bundesamtes sind seit 1971 etwa 72 Prozent der Höfe in Deutschland aufgegeben worden.

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